Overtime-Krimi im meTecno court: VIMODROM Baskets ringen Würzburg nieder
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Es gibt Siege, die glänzen durch Eleganz. Und es gibt Siege, die muss man sich mit Kratzen, Beißen und purer Willenskraft aus dem Stein meißeln. Das 82:78 (73:73) der VIMODROM Baskets Jena gegen die QOOL Sharks Würzburg war definitiv letzteres – ein Herzschlagfinale, das am Sonntag im meTecno court an Dramatik nicht zu überbieten war.
Dabei sah es lange Zeit nach einem entspannten Nachmittag für die Fans der Baskets aus. Das Team von Trainerin Sandra Rosanke kam mit viel Energie aus der Kabine. Die Ballbewegung stimmte, die Würfe fielen. Besonders Neuzugang Taylor Robertsen hatte ihr Visier perfekt eingestellt. Die Scharfschützin ließ es von "Downtown" regnen und versenkte insgesamt sechs Dreier.
Bis zum Ende des dritten Viertels hatten sich die Gastgeberinnen eine komfortable 62:51-Führung erspielt. Alles schien nach Plan zu laufen. Die VIMODROM Baskets kontrollierten das Tempo, Marta Miscenko verteilte die Bälle wie eine Quarterback-Legende (satte 12 Assists!) und die Defense stand.
Doch Basketball ist ein Spiel der Läufe ("Game of Runs"). Im vierten Viertel riss bei Jena plötzlich der offensive Faden. Der Korb schien wie vernagelt (nur 11 Punkte im Schlussabschnitt), während Würzburg Lunte roch. Angeführt von ihrer unermüdlichen Spielmacherin Kathleen Anne Hill (ebenfalls 12 Assists) und den Punkten von Mia Wiegand und Johanna Michel starteten die Sharks eine furiose Aufholjagd.
Die Führung schmolz dahin, die Hände der Baskets wurden zittriger, und als die Sirene ertönte, leuchtete ein 73:73 auf der Anzeigetafel. Verlängerung. Die psychologische Oberhand lag jetzt eigentlich klar bei den Gästen, die das Momentum auf ihrer Seite hatten.
Doch was in den folgenden fünf Minuten passierte, war ein Beweis für den Charakter dieser Jenaer Mannschaft. Statt einzubrechen, legten sie physisch noch eine Schippe drauf. Wenn der Ball nicht durch das Netz wollte, holten sie ihn sich eben zurück.
Die Herrscherin der Lüfte hieß dabei Cianna Gloster. Sie lieferte eine Performance ab, die man in Statistiken kaum fassen kann, obwohl die Zahlen schon beeindruckend genug sind: 14 Punkte und 13 Rebounds. Aber es waren vor allem ihre 7 Offensiv-Rebounds, die Würzburg zur Verzweiflung brachten. Immer wieder schenkte sie Jena zweite und dritte Chancen. Ein echtes "Monster-Game" unter den Körben.
Sinnbildlich für den Kampfgeist war auch Laila Walker. Sie stand unglaubliche 42 Minuten und 48 Sekunden auf dem Feld – fast ohne Pause. Trotz der enormen Belastung war sie in der Defense überall gleichzeitig. Mit 6 Steals klaute sie den Sharks in entscheidenden Momenten den Ball und erzielte selbst wichtige 17 Punkte.
Zusammen mit den wichtigen Punkten von der Bank durch Annika Schwarz (13 Zähler) schaukelte Jena das Spiel in der Verlängerung mit einem 9:5-Lauf nach Hause.
Ein Blick auf den Statistikbogen verrät das Geheimnis des Erfolgs: Würzburg traf eigentlich besser (46% Wurfquote gegenüber 38% bei Jena). Aber Jena wollte den Ball mehr. Durch die totale Dominanz beim Rebound (46:26!) und eine extrem aufmerksame Ballbehandlung (nur 9 Turnover im ganzen Spiel) erarbeiteten sich die Baskets schlichtweg viel mehr Würfe als der Gegner.
Es war ein Sieg der Moral, der das Team auf den 3. Platz rutschen lässt und den Fans im meTecno court einen unvergesslichen Nachmittag bescherte.